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Pflege & Begleitung·

Hospiz & Palliativversorgung in Deutschland — Ein Überblick

Was ist der Unterschied zwischen Hospiz und Palliativversorgung? Wer hat Anspruch darauf, wie kommt man an einen Platz und was kostet es?

Hospiz & Palliativversorgung in Deutschland — Ein Überblick

Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, rückt die Lebensqualität in den Mittelpunkt. Hospiz- und Palliativversorgung bieten schwerkranken Menschen und ihren Familien professionelle Begleitung — medizinisch, pflegerisch und menschlich. Viele wissen nicht, dass diese Leistungen in Deutschland weitgehend von der Krankenversicherung getragen werden.

Was ist Palliativversorgung?

Palliativversorgung (von lateinisch „pallium" — Mantel, Hülle) zielt darauf ab, schwerkranke Menschen so zu begleiten, dass Schmerzen und belastende Symptome gelindert werden — ohne auf Heilung abzuzielen. Sie kann ambulant (zu Hause), stationär (im Krankenhaus oder Pflegeheim) oder in einem Hospiz stattfinden.

In Deutschland haben Versicherte mit einer nicht heilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung Anspruch auf Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) — eine intensive Betreuung zu Hause durch speziell ausgebildete Teams (§ 37b SGB V).

Was ist ein Hospiz?

Ein stationäres Hospiz ist ein Ort, an dem Menschen ihre letzte Lebensphase in würdevoller Atmosphäre verbringen — mit intensiver pflegerischer, medizinischer und psychosozialer Begleitung. Im Gegensatz zum Krankenhaus steht hier nicht die Behandlung, sondern die Lebensqualität im Vordergrund.

Unterschied auf einen Blick: Palliativstationen behandeln Symptome und entlassen Patienten danach. Hospize begleiten Menschen bis zum Tod. Beide Angebote ergänzen sich.

Ambulante Hospizarbeit

Ambulante Hospizdienste kommen zu Menschen nach Hause oder in Pflegeheime. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer — oft selbst Trauernde — begleiten Sterbende und ihre Familien, hören zu und entlasten. Diese Begleitung ist kostenlos und wird von Krankenkassen gefördert (§ 39a SGB V).

In Deutschland gibt es über 1.500 ambulante Hospizdienste. Über den Deutschen Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) finden Sie Angebote in Ihrer Region.

Wer hat Anspruch auf einen Hospizplatz?

Ein stationärer Hospizplatz steht Menschen zu, deren Lebenserwartung begrenzt ist und die keiner Krankenhausbehandlung mehr bedürfen. Die Aufnahme erfolgt auf ärztliche Empfehlung. Es gibt keine Altersbeschränkung — Kinderhospize begleiten auch Kinder und Jugendliche.

Die Wartezeiten variieren je nach Region und Jahreszeit erheblich. Melden Sie sich frühzeitig an — ein Platz ist nicht garantiert.

Was kostet Hospiz- und Palliativversorgung?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt mindestens 95 % der Kosten für stationäre Hospize (§ 39a SGB V). Der verbleibende Anteil wird von den Hospizen selbst über Spenden und Zuschüsse aufgebracht. Für Patienten entstehen in der Regel keine nennenswerten Eigenkosten.

Die SAPV ist für GKV-Versicherte vollständig kostenfrei. Privat Versicherte sollten die Bedingungen ihrer Police prüfen.

Wie kommt man an einen Hospizplatz?

  1. Gespräch mit dem behandelnden Arzt über die Eignung für Hospizversorgung
  2. Kontaktaufnahme mit dem gewünschten Hospiz direkt oder über den Sozialdienst des Krankenhauses
  3. Formloser Aufnahmeantrag beim Hospiz
  4. Hospiz prüft freie Kapazitäten und Eignung
  5. Bei Aufnahme: Ärztliche Einweisung und Kostenzusage der Krankenkasse

Anlaufstellen

  • Deutscher Hospiz- und PalliativVerband: dhpv.de
  • Deutsche PalliativGesellschaft: dgpalliativmedizin.de
  • Kinderhospizdienst: kinderhospiz.de
  • Hospizhilfe-Telefon: 030 2309870

Fazit

Hospiz- und Palliativversorgung ist kein Aufgeben — es ist die Entscheidung für ein würdevolles Ende. Wer diese Angebote früh kennt, kann sie rechtzeitig einplanen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Hospizdienst in Ihrer Nähe.


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